DFB/NOFV 11. 09. 2017

Presseschau zum Drittligaspiel FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena (1:0)

Die „Thüringer Allgemeine“ (TA) titelt im Bericht von Marco Alles „Dank Bieber im Fieber“. Alles beginnt seinen Beitrag aus Erfurt mit dem Wunsch von Stefan Krämer, mal ein richtiges „Drecksspiel“ zu gewinnen und bestätigt, dass das Thüringer Derby in diese Kategorie einzuordnen sei. Sein Pendant meint hingegen, Jena sei von zwei schwachen Mannschaften nicht die schlechtere gewesen, wobei Mark Zimmermann nur Günther-Schmidt, Cros und Löhmannsröben eine ordentliche Leistung attestierte. Wörtlich heißt es: „In den letzten wo Minuten besaßen die Gäste mehrere hochkarätige Chancen zum Ausgleich, scheiterten aber zweimal am Aluminium und an sich selbst.“

Justin Bieber sei seinem Ruf als „Mann der wichtigen Tore“ gerecht geworden. Der Verfasser zitiert noch einmal den Erfurter Trainer: „Alles uns klar war, dass spielerisch nichts mehr ging, wollten wir mit ‚Bibo’ Wucht ins Spiel bringen.“ Die Jenaer haderten mit dem Schicksal und wähnten sich als unverdiente Verlierer. Aber Zimmermann fragte, warum seine Mannschaft erst nach 20 Minuten angefangen habe. Er ärgerte sich über die weite Strecken mutlose Spielweise.

Ebenfalls in der TA hat Marco Alles die Partie unter der Überschrift „Wird jetzt alles besser?“ kommentiert. Er stellt diese Frage nach den niveauarmen 90 Minuten und meint: „Ist der Bann mit dem ersten Saisonsieg gebrochen? Hat das Team, das sich häufig unter Wert verkaufte, das Glück jetzt auf seine Seite gezogen? Die nächsten Spiele werden es zeigen. Um dort zu punkten, ist eine Steigerung unabdingbar.“ Abgesehen von zwei Kopfbällen nach Ecken brachten die Erfurter in der Offensive nichts Gefährliches zustande. Die linke Seite war nahezu ein Totalausfall. Und im Zentrum fehlte nach dem Ausscheiden von Dabanli ein Mann, der die Bälle erobert und den Takt bestimmt. Probleme, die Trainer Stefan Krämer kennt und die er anpacken will.“

Für die „Ostthüringer Zeitung“ (OTZ) und die „Thüringische Landeszeitung (TLZ) berichtet Tino Zippel aus dem Steigerwaldstadion. Er wählt die Schlagzeile „Jena scheitert an Chancenverwertung“. Die erschreckend schwachen Erfurter seien sie mit der nahezu einzigen Offensivaktion zum Sieg gekommen. Auch Krämer konstatierte, dass seine Mannschaft das schwächste Spiel der letzten vier Wochen gewonnen habe. Zimmermann wird so zitiert: „Das Spiel war nichts für Ästheten“. Wörtlich heißt es: „In den letzten 20 Minuten gelang es den Jenaern endlich, sich mit Kombinationen vors Tor zu spielen. In Hälfte eins hatten sie es zu oft nach dem Muster langer Diagonalball nach vorn versucht. Meist flogen die Pässe zu weit, so dass die Stürmer keine Chance hatten, sie zu erlaufen. Ungefährlich spielten die Jenaer ihre Eckbälle hinein – der Unterschied an diesem Spieltag, den Erfurt mit einem Standard entschieden hat.“

Zippel beendet den Artikel so: „Wichtiger (als das Pokalspiel - H. G.) sind indes die vier Punktspiele in der dritten Liga davor. Es gilt, die Abschlussschwäche abzustellen. ‚Wenn sich die Chancenverwertung nicht ändert, werden wir Probleme bekommen’, sagte Zimmermann, er schon während des Spiels mehrfach sein Gesicht in seinen Händen vergrub – nein, das war keine angemessene Leistung, um als Derbysieger vom Platz zu gehen.“

In einem Kommentar mit der Überschrift „Woche der Wahrheit“ schreibt Tino Zippel in der OTZ und TLZ am Anfang: „Nüchtern betrachtet hatte die erste Halbzeit des Thüringenderbys nicht einmal Regionalliga-Niveau. Wenn beide Mannschaften solchen Schlafwagen-Fußball bieten, steigen sie am Saisonende ab. Aber es bestehe kein Grund zur Panik, da die Mannschaften der unteren Tabellenhälfte sehr dicht beieinander lägen. Weiter heißt es: „Auf die Jenaer wartet die Woche der Wahrheit. Meppen, Würzburg und Münster heißen die nächsten Gegner, die ebenfalls in den unteren Tabellenregionen rangieren – angesichts der beiden Heimspiele sind fünf Punkte Pflicht. Einzelne Fans, die einen Trainerwechsel fordern, haben nichts aus der Vergangenheit gelernt. Die kurzen Strohfeuer waren meist teuer erkauft. Nur Zusammenhalt hilft im Abstiegskampf.“

Autor für „Freies Wort“ (FW) ist Ulrich Klemm. Er titelt „Erfurt im Bieber-Fieber“. Der Schütze, der nur unregelmäßig in der Stammelf stehe und bei den Rot-Weiß-Fans nicht den besten Ruf genießt, weil er ob seiner Größe etwas ungelenk wirkt, sei, wenn es darauf ankomme, zur Stelle und versetze ganz Erfurt ins „Bieber-Fieber“. Klemm schreibt: „Das goldene Tor … sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Derby zwischen den beiden tabellarischen Kellerkindern auf ganz schwachem Niveau stand. Vor allem die erste Halbzeit hatte mit Drittligafußball wenig zu tun. Der Ball irrlichterte phasenweise wie eine Flipperkugel hin und her. Fehlpässe und billige Ballverluste waren ebenso an der Tagesordnung wie verkorkste Abschläge der Schlussmänner und überhastete Aktionen vor den Toren.“ Erst nachdem Bieber getroffen habe seien die Akteure richtig in Fahrt gekommen. Aber Klemm schreibt auch „Angesichts der Jenaer Chancenfülle mussten sie selbst an die eigene Nase fassen, denn die Niederlage sei völlig unnötig gewesen.

Die vollständigen Texte lesen Sie in den Printausgaben der Zeitungen und im Internet.

Hartmut Gerlach