06. 12. 2017

Wechselperiode II - Was muss man dazu wissen

In der Abwehr drückt der Schuh. Die Offensive hat chronische Ladehemmung. Vielleicht wird das Team auch gerade von einer riesigen Verletzungsmisere gebeutelt. Oder ein Spieler merkt nach der ersten Saisonhälfte, dass er lieber doch woanders wäre. Dafür gibt es die Wechselperiode II. Auch im Amateurfußball hat der Transfermarkt im Winter noch einmal geöffnet. Manches ist dabei anders als im Sommer. Was ist zu beachten? Welche Regularien greifen?

Was sind die Fristen in der Wechselperiode II (WP II)?

Die Transferperiode II läuft vom 1. bis 31. Januar. Wer als Amateurfußballer und Amateurfußballerin im Winter den Verein wechseln möchte, muss sich bis zum 31. Dezember beim alten Verein abgemeldet haben. Es reicht dabei, seine Spielberechtigung beim alten Verein zu kündigen, man muss nicht automatisch auch als Vereinsmitglied austreten. In allen Landesverbänden besteht die Möglichkeit, die Abmeldung online über den Verein direkt im DFBnet vorzunehmen. Alternativ kann man sich weiterhin über den Postweg abmelden. Dies erfolgt per Einschreiben – mit Beleg als Nachweis. Entscheidend für die Abmeldung ist hierbei neben dem Datum des Poststempels auch das angegebene Abmeldedatum (zu welchem Tag)!

Antragstellung online (Abmeldung/Vereinswechsel) - wie funktioniert das?

Die Abmeldung eines Spielers oder einer Spielerin kann vom abgebenden Verein im DFBnet vorgenommen werden. Dies geschieht über das Modul Antragstellung online. Der abgebende Verein muss dabei das Abmeldedatum, Tag des letzten Spiels sowie Freigabe ja/nein angeben.
Im TFV ist auch die sogenannte stellvertretende Abmeldung über den Online-Vereinswechsel möglich. Heißt: Beim Online-Vereinswechsel meldet der aufnehmende Verein den Spieler mit dessen Einverständnis (schriftlicher Nachweis) beim alten Klub ab und beim eigenen Verein an (Vereinswechsel / Antrag auf Spielberechtigung). Neben der schriftlichen Abmeldung muss dennoch das Formular "Antrag auf Spielgenehmigung" schriftlich ausgefüllt werden. Beide Unterlagen verbleiben als Nachweis beim aufnehmenden Verein. Der abgebende Klub erhält automatisch eine Benachrichtigung über die Abmeldung in das Vereins-E-Postfach hierüber.

Wie geht es nach der Abmeldung weiter?

Nach Eingang des Passes und dem Formular "Antrag auf Spielberechtigung" beim Verband bzw. nach Durchführung des Online-Vereinswechsel über das DFBnet erhält der Spieler - nachdem der Vorgang in der Passstelle bearbeitet wurde - die Spielberechtigung für Freundschaftsspiele. Die Spielberechtigung für Pflichtspiele erfolgt bei Freigabe frühestens zum 1. Januar. Ein Ersatz der Freigabe durch Zahlung der Ausbildungsentschädigung (vorgegebener Betrag – WP I) ist in der WP II nicht möglich. Diese Beträge werden häufig als „Richtwerte“ angenommen,  können aber auch frei ausgehandelt werden. Es bedarf aber immer der Zustimmung (bzw. der nachträglichen Freigabe).

Grundsätzlich gilt beim Vereinswechsel: Der wechselnde Spieler muss Mitglied seines neuen Verein werden. Der aufnehmende Verein muss einen Antrag auf Spielerlaubnis ausfüllen, vom Spieler unterschreiben lassen und bei seinem Landesverband vorlegen. Der antragstellende Verein muss die vollständigen Unterlagen bis spätestens 31. Januar beim TFV einreichen. Auch hier besteht die Möglichkeit, die Spielberechtigung online über das DFBnet zu regeln. Hierbei verbleiben alle Unterlagen beim antragstellenden Verein.

Ist bei der Abmeldung per Post noch etwas Besonderes zu beachten?

Ja. Am Folgetag des ausgewiesenen Abmeldedatums (Poststempel) bzw. gestellten Online-Antrages  beginnt eine 14-Tage-Frist. Innerhalb dieses Zeitraums muss der abgebende Verein den Pass des Spielers herausgeben - an den Landesverband, den neuen Verein, den Spieler selbst oder die Eintragung Online vornehmen. Wird die 14-Tage-Frist nicht eingehalten, verliert der abgebende Verein sein Recht auf Ausbildungsentschädigung. Der Spieler erhält automatisch die sofortige Freigabe für Pflichtspiele in seinem neuen Verein. Argumente wie Urlaub des Vorsitzenden oder krankheitsbedingte Abwesenheit eines zuständigen Vorstandsmitglieds zählen nicht. Jeder Verein muss Sorge dafür tragen, dass seine Post regelmäßig gesichtet wird, bzw. das E-Postfach kontrolliert wird und nichts unbearbeitet bleibt.

Kann ein Spieler noch wechseln, wenn er sich erst nach dem 31. Dezember abmeldet?

Schwierig. Er hat nur die Möglichkeit, bis 31. Januar einen Vertrag zu unterschreiben und damit Vertragsspieler (ehemals Vertragsamateur/jetzt Berufsspieler) zu werden. Aber auch dann muss der abgebende Verein – im Gegensatz zur sommerlichen Transferperiode I – laut Satzung dem Transfer erst zustimmen.

Jederzeit die Möglichkeit zum Wechsel haben Amateurfußballer und -Fußballerinnen, sobald ihr letztes Spiel mindestens ein halbes Jahr zurückliegt. Sie sind dann sofort spielberechtigt für den neuen Verein, auch ohne dass eine Ausbildungsentschädigung fällig wird.

Ein Spieler sieht kurz vor der Winterpause die Rote Karte und wechselt dann. Was ist bei seiner Sperre zu beachten?

Er nimmt die Sperre mit und muss den Rest der Strafe beim neuen Verein verbüßen. Vorsicht: Die Sperre für Pflichtspiele läuft erst weiter, wenn der Spieler auch dafür spielberechtigt ist. Ein Beispiel: Spieler X bringt nach seinem Wechsel eine Sperre von zwei Partien mit. Sein letztes Spiel für den alten Verein hat er am 28. November 2017 bestritten. Für seinen neuen Verein darf er, weil keine Freigabe vorliegt, erst ab 29. Mai 2018 Pflichtspiele bestreiten. Das hat zur Folge, dass er ab diesem Zeitpunkt noch zwei Pflichtspiele aussetzen muss.

Ausbildungsentschädigung: Was ist das und wie hoch liegt sie?

Ausbildungsentschädigungen sind die Ablösesummen des Amateurfußballs. Bei Wechseln im Sommer (Transferperiode I) sind sie festgeschrieben und richten sich immer nach den Klassenzugehörigkeiten der ersten Seniorenmannschaft. Anders bei einem Wechsel im Winter: Dort sind die vorgegebenen Ausbildungsentschädigungen nicht bindend, sondern frei verhandelbar.

Hier geht es zum TFV Entschädigungsrechner.

Die erste Mannschaft meines Vereins hat sich während der Saison aufgelöst und zieht zurück. Die zweite Mannschaft existiert noch. Kann ich den Verein trotzdem ablösefrei verlassen?

Nein. Du wirst damit rechnen müssen, dass der abgebende Verein für den Wechsel eine (frei verhandelbare) Entschädigung aufruft. Grund: Der Verein hat noch eine Mannschaft im Spielbetrieb, in der Du spielen könntest. Nur wenn das nicht der Fall wäre, könntest du mit einer Abmeldung nach dem offiziellen Rückzug der Mannschaft(en) ohne Entschädigungszahlung den Verein wechseln.

Welche Besonderheiten sind im Jugendbereich zu beachten?

Im Jugendbereich gelten im TFV modifizierte Bestimmungen mit kürzeren Wartefristen. Diese ergeben sich allerdings auch aus der Freigabe/Nichtfreigabe (siehe TFV Spielordnung, speziell §18 Punkt 1.4.)! Im Falle von Umzügen (z.B. bei Arbeitsplatzwechsel der Eltern oder Trennungen) können für Kinder und Jugendliche Härtefallregelungen beantragt werden, um sich kurzfristig einem neuen Verein anzuschließen.

Was hat es mit dem Zweitspielrecht auf sich?

Nehmen wir das Beispiel des Studenten, der in einem Bundesland wohnt und in einem anderen Bundesland die Uni besucht. Sobald zwischen Heimat und Arbeits- beziehungsweise Studienort mehr als 100 Kilometer liegen, hat man die Möglichkeit, ein Zweitspielrecht in Anspruch zu nehmen. Allerdings darf der Verein, für den man das Zweitspielrecht möchte, nicht oberhalb der Kreisebene spielen. Auch in der Jugend sind Zweitspielrechte möglich, beispielsweise wenn der Stammverein des Jugendlichen keine Mannschaft in seinem Altersbereich hat. Dann kann er eine Zweitspielberechtigung für das Jugendteam eines anderen Vereins in seiner Altersklasse erhalten. Zweitspielrechte können unabhängig von den Transferperioden erteilt werden und sind erst nach dem 31.03. nicht mehr möglich.

Wechsel ins Ausland – wie geht das?

Bleiben wir beim Beispiel des Studenten: Er geht für ein Jahr ins Ausland und will auch dort im Verein Fußball spielen. Dafür muss er sich zunächst bei seinem deutschen Verein Klub abmelden. Mit seinem neuen Verein im Ausland stellt er einen Antrag auf Spielerlaubnis. Der Vorgang wird vom zuständigen Nationalverband bearbeitet, wandert zum DFB und von dort zum Landesverband seines alten Vereins Klubs, der die Freigabe erteilt. Diese geht anschließend den kompletten Weg zurück, bis die Spielberechtigung erteilt wird. Hört sich nach einer Ewigkeit an, dauert in der Praxis aber nur eine Woche bis maximal 30 Tage.

Kann man als Amateurspieler ein Zweitspielrecht für das Ausland erhalten?

Nein, das ist nicht möglich. Der Spieler/die Spielerin muss zwingend den internationalen Wechsel vollziehen.    

Text: FUSSBALL.DE/TFV
Foto: FUSSBALL.DE