Kreise 08. 10. 2018

Beispielhafte Integration des FSV Ilmtal Zottelstedt bringt einen Preis ein

Der FSV Ilmtal Zottelstedt erhielt am 20.09.18 den Integrationspreis des Landkreises Weimarer Land. Den nahm der Vorsitzende Hans-Jürgen Häfner für den Verein entgegen. Der Schulleiter der Gotthold Ephraim-Grundschule Apolda hat einmal dargestellt, wie der FSV Ilmtal mit seinen 187 aktiven Mitgliedern, von denen nur 17 direkt aus Zottelstedt stammen, seit mehr als vier Jahren mit der Integration umgeht.

Die vielfältigen Integrationsbemühungen von Häfner könnte ein Beispiel auch für andere Sportvereine sein. Deshalb veröffentlichen wir seinen Beitrag unter der Rubik „Aus den Kreisen“ ungekürzt und unter Top-Nachrichten.

„Bei uns im Ilmtal ist Integration nicht einfach nur ein Wort, im Ilmtal wird Integration seit Jahren auch gelebt. 20 Jahre lang haben Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt ihre neue sportliche Heimat bei uns im Verein gefunden. Hierbei spielte die Länge ihres Aufenthaltes in Deutschland nie eine Rolle.

So integrierten wir schon in den neunziger Jahren Flüchtlinge aus den Balkanstaaten oder nahmen Russlanddeutsche auf. Dabei waren alle Altersklassen vertreten. Einige von ihnen konnten sich so sportlich weiterentwickeln, so dass sie den Weg in Leistungszentren des Sports schafften. Freundschaftliche Bindungen bestehen seit dieser Zeit immer noch, obwohl die Sportler nicht mehr in der Region leben bzw. sich nicht mehr aktiv in unserem Verein sportlich betätigen.

Neben Menschen mit Integrationsbedarf in der Region stand und steht der Verein besonders auch für Austauschschüler offen. So konnten wir jeweils in den letzten Jahren zwei Schüler aus Argentinien und aus Südafrika bei uns im Verein willkommen heißen, die während ihres Aufenthaltes hier in Apolda  sich in unser Vereinsleben  integrierten.

Im Jahr 2014 erweiterten wir unser Engagement in den Bereich der Integration und Unterstützung von Menschen mit Handicaps. So unterstützen wir einen Kindergarten der Lebenshilfe bei der Schaffung von weiteren Bewegungsangeboten für motorisch auffällige Kinder und stellen dem Trägerwerk auch unseren Sportplatz mit den Trainingsgeräten zur Verfügung.

Ebenso engagieren wir uns bei der Initiative des Landessportbundes Schule und Verein. So führen wir wöchentlich zwei Sportangebote durch, bei denen vor allem Kinder mit Migrationshintergrund und motorischen Auffälligkeiten integriert sind.

Das Jahr 2015, mit seinen Herausforderungen bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme, nahmen wir auch noch einmal zum besonderen Anlass, unser Engagement auf diesem Gebiet weiter zu entwickeln. Im Januar 2016 schlossen wir eine Kooperation mit dem Kommunalen Kinderheim des Kreises Weimarer Land ab. Nicht nur, dass wir sechs Jugendliche in den aktiven Trainings- und Spielbetrieb integriert haben, wir ermöglichten dem Kinderheim auch eine gemeinsame Nutzung von Trainingszeiten, damit die Jungs aus Afghanistan, Syrien und Eritrea einmal die Woche gemeinsam Sport treiben können.

Weiterhin wurde aus den Erlösen unserer Nachwuchsturniere Spiel- und Trainingsmaterial für das Kinderheim angeschafft.

Um einen weiteren Beitrag zur Integration für unsere neuen Mitbürger in Apolda und Umgebung zu leisten, veranstalteten wir bereits drei integrative Nachwuchsfußballturniere. Dabei waren Mannschaften mit unterschiedlicher sprachlicher Zusammensetzung unterwegs. So bestand selbst die Gewinnermannschaft des letzten Turniers aus syrischen, afghanischen und deutschen Spielern. Für alle Teilnehmer an diesen Turnieren gab es Preise, die neben dem Turnier Möglichkeiten der weiteren gemeinsamen Freizeitgestaltung beinhalteten. Besuche im Bad, Kino, Kletterpark oder der Stadionbesuch eines Fußballspieles in Jena.

Um unseren Vereinsmitgliedern einen festen Ansprechpartner an die Seite zu stellen, gibt es einen Integrationsbeauftragten, welcher sich intensiv um das Thema Integration im Verein kümmert. So sind wir in der Lage, Leistungen für unsere neuen Vereinsmitglieder zu erbringen, die weit über das eigentliche Vereinsleben hinausgehen. Wir helfen bei der Bewältigung alltäglicher Fragen wie Einkauf, Transport, Kinderbetreuung oder begleiten unsere Vereinsmitglieder zum Bsp. bei Behördengängen.

Seit 2016 ist der Verein offizieller Integrationsstützpunkt des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Uns als Verein ist es gelungen eine Vielzahl an jungen Menschen mit Migrationshintergrund in das Vereinsleben zu integrieren, ohne aufgesetzte Aktionen starten zu müssen. Dabei wurde sowohl der Einzelsportler, als auch seine, wenn vorhandene Familie mit integriert. Muttitreff oder nur das gemeinsame Gespräch am Spielfeldrand und zu Vereinsaktivitäten gehören zum Vereinsalltag dazu.

Aber unsere neuen Vereinsmitglieder geben uns auch etwas zurück. Neben ihrem sportlichen Engagement in den unterschiedlichsten Altersklassen sind sie aktiv bei den Arbeitseinsätzen oder bei der Durchführung von Nachwuchsturnieren dabei. Integration ist eben keine Einbahnstraße.

Hans-Jürgen Häfner

Hartmut Gerlach