Trainer 07. 06. 2021

Damit Kinder beim Fußball keine Blumen pflücken

Natürlich ist es gut, wenn sich Kinder für die Natur interessieren und auch mal Blumen pflücken. Doch beim Fußball passt das nicht und ist wohl auch ein Zeichen dafür, dass das Spiel, bei dem der „Naturfreund“ offensichtlich die gesamte Spielzeit draußen sitzt, an dem Betreffenden vorbeigegangen ist.

Dass es so etwas gibt, zeigte eines der weniger guten Beispiele, die der „Stammtisch“, der aus Christian Kucharz (Leistungssportkoordinator), Norman Loose, Claudio Mußler und Marc Reinhardt (Landestrainer) und DFB-Stützpunktkoordinator Frank Intek bestand, zum Thema „Kinderfußball – von Anfang an Begeisterung entfachen“, am Donnerstagabend (03.06.21) nannte.

Doch in dem neuen Format, das die Teilnehmer mit Bravour gestalteten, spielten vor allem die positiven Seiten des Trainings und Wettkampfs im Kinderalter eine Rolle. Dazu gibt es jede Menge Hinweise, Anregungen und Beispiele für die Praxis. Die Online-Veranstaltung, an der mehr als 80 Zuhörer teilnahmen, wurde von Christian Kucharz moderiert. Er gab zu Beginn drei Schwerpunkte vor, zu denen man sich äußern wollte.

  • Training
  • Wettbewerb
  • Verbandsunterstützung

Dabei kam sicher nicht nur beim Verbandspressesprecher gut an, dass da nichts Vorgefertigtes verlesen wurde oder der Einzelne ohne Punkt und Komma und noch dazu hochwissenschaftlich redete. Vielmehr beschränkten sich Kucharz, Loose, Mußler, Reinhardt und Intek bei ihren Meinungsäußerungen auf das Wesentliche.

Das will der Verfasser auch tun, zumal alle, die beim Stammtisch zugehört haben und zuvor oder auch während der Veranstaltung Fragen im Chat stellen konnten, das Protokoll erhalten. Deshalb hier einige Gedanken aus dem Stammtisch, der fast eine Stunde und 15 Minuten dauerte, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben:

  • Trainer sollten sich daran erinnern, was ihnen selbst als Kind beim Fußball Spaß gemacht hat: Toreschießen, Dribblings, Ballkontakte, Erfolgserlebnisse, Wettbewerbe … .
  • Kinder sollen spielen und Spaß haben. Dazu gibt es eine Vielzahl von Formen wie kleine Spiele, Staffeln usw.
  • Der Umgang mit Leistungsunterschieden ist schwierig, aber beispielsweise machbar durch Gruppeneinteilungen, Sonderaufgaben, Nutzung der Kreativität der Spieler, Übergabe von Verantwortung oder das Stellen individueller Ziele.
  • Das Kind soll man als Individuum sehen und sich als Trainer darauf im Umgang, mit der Sprache, dem Ton oder der Motivation einstellen.
  • In Thüringen soll in den nächsten Jahren Minifußball vor allem bei den G-Junioren eingeführt werden. Dazu soll es 2021/22 in allen Fußballkreisen so genannte Showfestivals geben. Auch bei den F-und E-Junioren ist Minifußball parallel zum Spielbetrieb denkbar. Aber: Minifußball muss wachsen durch Überzeugen. Argumente und das Verdeutlichen der Vorteile: Ballkontakte, Tore, Spielaktionen, Einsatzzeiten, Reaktion auf Mannschaftsstärken.
  • Nachdenken muss man über Platzgrößen, Spielerzahlen und Torgrößen.
  • Trainer sind Förderer der Kinder und keine Aussortierer. Wichtig ist: Was braucht das Kind?
  • Im DFB gibt es neue Überlegungen für die Trainerqualifizierung, zum Beispiel die Erreichung von Zertifikaten für einzelne Altersklassen. Der TFV bietet viele Formen der Aus- und Weiterbildung für Übungsleiter an.
  • Abschließend machten die Stammtischteilnehmer deutlich, dass sie Treppenlaufen in Fußballschuhen, Schussübungen, wo Kinder kaum den Ball haben, oder Wendeläufe im Training nicht sehen möchten. Aber die positiven Hinweise überwogen.

Und Blumen kann man ja nach dem Training pflücken und die Eltern überraschen … .

Hartmut Gerlach