Projekte 23. 11. 2021

Gemeinschaftsprojekt von Spirit of Football und dem Erinnerungsort Topf & Söhne aus Erfurt nachträglich mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet

Im Festsaal des Palmengartens in Frankfurt/Main zeichnete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montagabend (22.11.21) die Sieger im Wettbewerb „Julius-Hirsch-Preis 2021“ aus. Zugegen waren die 1. Vizepräsidenten des DFB, Peter Peters und Dr. Rainer Koch. Sie betonten, dass die Erinnerung an Julius Hirsch, einen deutschen Nationalspieler, der aufgrund seines jüdischen Glaubens 1943 in das Vernichtungslager Ausschwitz deportiert und hier von den Nazis ermordet wurde, lebendig bleiben müsse. Peters sagte: „Wir müssen jeden Funken, der ein Feuer auslösen kann, so früh wie möglich austreten." Für Koch ist der Preis ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus und jede Form der Diskriminierung.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der DFB im Jahre 2020 keine offizielle Ehrungsveranstaltung durchführen. Deshalb waren die Gewinner dieses Jahres gestern Abend auch nach Frankfurt/M. eingeladen. Dazu gehörte aus Thüringen das Gemeinschaftsprojekt von Spirit of Football und dem Erinnerungsort Topf & Söhne aus Erfurt.

Das wurde zwar im Sommer 2021 bereits geehrt, aber das geschah in ganz kleiner Runde. Wir möchten jedoch gern noch einmal daran erinnern und schauen deshalb auf einen Bericht auf der Internetseite des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) vom 02.07.21. Zuvor der Blick auf die Fotos.

(Fotos: Getting images und Sven Soederberg)

a Andreas Hirsch, Benni Gruenwald (Spirit of Football) und Julian Kusebauch (Erinnerungsort Topf & Söhne)

b Benni Gruenwald

c Benni Gruenwald (mit Ball) und Julian Kusebauch

sowie Fotos vom 02.07.21

Julius-Hirsch-Preis für Projekt von Spirit of Football und „Erinnerungsort Topf & Söhne“

Am „Erinnerungsort Topf & Söhne“, Erfurt, wurde gestern (01.07.21) durch Eberhard Schulz, Mitglied der Jury für diese Auszeichnung, der Julius-Hirsch-Preis (2. Preisträger) sowohl an den Verein Spirit of Football als auch den Erinnerungsort selbst übergeben. Schulz hielt auch die kurze Laudatio.

Der Initiator des Julius-Hirsch-Preises würdigte in seiner Rede das herausragende Engagement des Vereins für Demokratie und Menschenwürde sowie gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Diskriminierung.

Der Preisverleihung, die wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr dezentral und damit vor Ort stattfand, wohnten neben Eberhard Schulz der Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung Oliver Tietz, die Leiterin der Gedenkstätte Annegret Schüle, sowie Peter Brenn, ehemaliger Vizepräsident des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) und Ehremitglied des TFV, und Pressesprecher Hartmut Gerlach (Vorstandsmitglied) bei.

Für den Verein Spirit of Football nahm Sven Söderberg die Auszeichnung entgegen. Vor der Zeremonie führten zwei Mitarbeiterinnen des Erinnerungsportes die Teilnehmer der zweistündigen Veranstaltung durch einige Museumsräume und erklärten die Ausstellungsstücke. Nicht nur für den Verfasser war das ein sehr bewegender Rundgang, der lange nachwirken wird.

In dem Schreiben an Andrew Aris, dem Vereinsvorsitzenden, das noch von Fritz Keller unterschrieben ist, heißt es unter anderem:

„Das ‚Kooperationsprojekt „Fairplay?! Damals, heute, auf dem Platz und im Alltag’ des Vereins Spirit of Football e.V. und des ‚Erinnerungsortes Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz’ wurde von der DFB-Jury zum zweiten Preisträger des Julius Hirsch Preises 2020 gewählt.

Spirit of Football setzt mit seinen vielfältigen und kreativen Projekten seit Jahren auf die verbindende Kraft des Fußballs und spricht vor allem junge Menschen an. Der Verein arbeite in seinem regionalen Umfeld für Integration und die Unterstützung von geflüchteten Menschen und setzt durch seine internationalen Projekte gleichzeitig völkerverbindende Impulse. Durch die Kooperation mit dem „Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ wird die Vereinsarbeit inhaltlich und methodisch seit mehreren Jahren auch mit der Erinnerungskultur verknüpft.

Aus diesem Grund hat sich die Jury entschlossen, dem Verein nach dem DFB- und Mercedes-Benz Integrationspreis 2016 in diesem Jahr den Julius Hirsch Preis zu verleihen. Die Erweiterung des Fairplay-Ansatzes um die historische Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte ermöglicht eine zielgruppenorientierte Geschichtsvermittlung der Lehren aus dem Holocaust für Kinder und Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung.

Die Arbeit mit den Biografien jüdischer Fußballer, unter ihnen auch Julius Hirsch, erleichtert dabei den emotionalen Zugang für die Teilnehmenden. Die Einbindung von geflüchteten Menschen wird ausdrücklich als erweiternde Projektebene intendiert und erlebt, was die besondere Aktualität und Modellhaftigkeit des Ansatzes verdeutlicht.“

Der DFB fügt hinzu: „Seit 2019 liegt ein Schwerpunkt auf der ländlichen Region Thüringens. Am Beispiel von jüdischen Fußballerbiografien, unter anderen von Julius Hirsch, wird die Geschichtsvermittlung zum Holocaust mit eigenen Erfahrungen der Teilnehmenden und fußballspielerischen Elementen verbunden. Kooperationspartner ist der "Erinnerungsort Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz", ein 2011 gegründetes Museum und Lernort für Jugendliche in der Landeshauptstadt Thüringens. Die 1878 gegründete Firma Topf & Söhne in Erfurt hatte die Leichenverbrennungsöfen für das KZ Auschwitz, dem Todesort von Julius Hirsch, und andere Konzentrationslager gebaut.“

Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld verbunden. Am Ende durften die Teilnehmer nach einem Kopfball auf dem Spielgerät als Zeichen der Verbundenheit unterschreiben.“

Foto (v. l.): Rebekka Schubert (Gedenkstättenpädagogin), Annegret Schüle (Leiterin), Eberhard Schulz und Sven Söderberg.

Hartmut Gerlach