Schiedsrichter 05. 10. 2023

Im Porträt Matthias Lämmchen: Schiedsrichter in illustrem Kreis

Als Corona keinen Fußball zuließ, haben wir im Zeitraum vom 09.12.20 bis zum 17.02.21 24 Schiedsrichter der Landesliste des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) vorgestellt. Nun wollen wir uns den höherklassig pfeifenden Unparteiischen  zuwenden und versuchen, jeden, der es wünscht, bis zum Saisonende zu porträtieren:

Heute: Matthias Lämmchen (VIII)

Als Schiedsrichter eines Endspiels im Thüringen Pokal benannt zu werden, ist immer etwas Besonderes und nicht wenige Unparteiische träumen von dieser Auszeichnung. Gleich acht Referees haben sogar eine zweimalige Leitung eines solchen Höhepunktes in der Historie des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) übertragen bekommen. Das waren, so der aktuelle Schiri-Ansetzer Joachim Zeng, der uns bei der Suche unterstützte:

Stefan Weber (1990/91 u. 2001/02), Peter Weise (96/97 u. 2002/03), Burkhard Pleßke (97/98 u. 99/00), Tino Wenkel (03/04 u. 09/09), Andreas Kasenow (06/07 u. 09/10), Marcel Unger (07/08 u. 11/12), Matthias Wilske (14/15 u. 22/23). Der Achte in diesem illustren Kreis ist Matthias Lämmchen aus Meuselwitz. Er führte 2006 die Teams vom FC Carl Zeiss Jena gegen  den 1. FC Gera und 2021 den FC An der Fahner Höhe gegen den FC Carl Zeiss Jena jeweils in Meuselwitz aufs Feld.

Warum er gleich zwei Mal ein Finale leitete, lässt sich von seinen Stärken als Schiedsrichter ableiten. Dazu sagt er selbst: „Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, der auch nicht gleich mit Karten um sich wirft. Für die Spieler bin ich zudem in meinen Entscheidungen berechenbar und habe mir dadurch ein recht gutes Ansehen erarbeitet. Ich denke, dass meine selbstkritische Art auch gut ankommt. Und natürlich ist es von Vorteil, dass ich selbst Fußball gespielt habe.“

Begonnen hat der Griff zur Pfeife und zur damals meist noch schwarzen Kluft im Jahre 1996. Da war der heute 42-jährige EDV-Monteur, der bei der bluechip Computer AG in Meuselwitz arbeitet, gerade mal 16. Der Vater eines fußballspielenden Freundes hat ihn zur Schiedsrichterei animiert und schließlich auch angemeldet. Zu jener Zeit hat Lämmchen noch im Nachwuchs vom FSV Meuselwitz gespielt.

Nach der bestandenen Prüfung folgten vier Jahre im Kreis und schon 2000 war er im Land angekommen. Auch hier hielt sich Lämmchen nicht lange auf.  „Das ging bei mir alles ratz-fatz“, sagte er burschikos. Nach einem Jahr Landesklasse und einem weiteren in der Landesliga folgte 2003 der Schritt in den überregionalen Bereich. Damals hörte mit Sven Buchheim, der heute zum Vorstand des ZFC Meuselwitz gehört, ein Mitstreiter aus beruflichen Gründen auf. Dass er den Platz gern an Matthias Lämmchen weitergeben wollte, war verständlich. Aber natürlich hat auch das alljährliche Ranking für den groß gewachsenen Unparteiischen gesprochen.

Der Sprung in die Regionalliga gelang Matthias 2008. Da wurde diese Klasse noch vom DFB geleitet. Gleichzeitig war er Assistent in der 3. Liga. Zudem wurde er in der 3. Liga als Assistent eingesetzt. Aber der DFB setzte ab 2009 auf junge Referees. Die Freude im Hause Lämmchen darüber hielt sich allerdings in Grenzen, denn das hatte für ihn durchaus Konsequenzen.

Dennoch wurde er, weil er durch gute Leistungen bei Beobachtungen positiv aufgefallen ist, von 2017 bis 2021 in der 3. Liga an der Linie eingesetzt. Zudem war er Assistent im DFB-Pokal und auch als 4. Offizieller im Einsatz.

An ein Spiel, nach dem er die Pfeife an den berühmten Nagel hängen wollte, kann er sich nicht erinnern. Aber er sagt auch: „Natürlich ist man nach einer schlechten Beobachtung enttäuscht. Da spielen auch die Fernsehbilder in der Regionalliga eine Rolle, wenn man sieht, dass die eine oder andere Entscheidung nicht so glücklich gewesen ist. Aber man muss danach wieder aufstehen und die Fehler bis zum nächsten Spiel abzuhaken.“

Dass jemand, wenn er so wie Matthias Lämmchen intensiv im Ehrenamt tätig ist, Rückhalt benötigt, steht außer Frage. Für den Regionalliga-Schiedsrichter sind das seine Familie, aber auch der Arbeitgeber. Unterstützung als Referee hat er, insbesondere am Beginn seiner sehr erfolgreichen Karriere, unter anderem von Bernd Wirth und seinem Halbbruder Michael Kahl erhalten. Beide haben ihm stets zugeredet, wenn er mal lieber Fußball spielen wollte, anstatt Spiele zu pfeifen. „Sie haben gesagt, bleibe dran, du kommt bestimmt weiter“, erinnert sich Lämmchen und fügt hinzu, „sie sollten recht behalten.“

In seiner Freizeit joggt Matthias gern, wobei er das Laufen auch als Entspannung nach einem Arbeitstag nutzt. Gern fährt er außerdem Rad oder schwimmt. Und wenn dann noch Zeit bleibt, dann fährt er auch mal die rund 40 Kilometer nach Leipzig zu RB.

Ob er zum dritten Mal ein Pokalfinale leiten darf, muss man abwarten. Aber er hat ja noch Zeit und gerade im Sport ist nichts unmöglich … .

Hartmut Gerlach