Schiedsrichter 22. 09. 2023

Im Porträt Richard Lorenz: ein Brief mit großer Wirkung

Als Corona keinen Fußball zuließ, haben wir im Zeitraum vom 09.12.20 bis zum 17.02.21 24 Schiedsrichter der Landesliste des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) vorgestellt. Nun wollen wir uns den höherklassig pfeifenden Unparteiischen  zuwenden und versuchen, jeden, der es wünscht, bis zum Saisonende zu porträtieren:

Heute: Richard Lorenz (VI)

Vor 15 Jahren hat Marco Wartmann, heute einer von sieben Regionalliga-Schiedsrichtern im Thüringer Fußball-Verband (TFV), mal ein Projekt mit einem Quiz am Salza-Gymnasium Mühlhausen durchgeführt. So kam er auch – das könnte heute etwas schwieriger sein – zu den Kontaktdaten von Richard Lorenz. Eines Tages flatterte ein Brief von Wartmann ins Haus der Familie Lorenz. „Ich habe das Angebot, doch einmal einen Schiedsrichter-Lehrgang zu absolvieren, nach Absprache mit meinen Eltern und dem Verein, dem FSV 1996 Preußen Bad Langensalza, angenommen. So nahm das Ganze seinen Lauf“, erinnert er sich an die damalige „Werbekampagne“.

Da hat er noch Fußball bei den Preußen gespielt, aber spätestens im B-Junioren-Alter stellte sich die Frage, was er, mit Blick auf seine Karriere, machen sollte. Auch der damalige Schiri-Obmann des Westthüringer Fußballbezirkes (WTFB), Jürgen Muscat, riet ihm, sich ganz auf die Schiedsrichterei zu konzentrieren. Richard stellte fortan das Spielen hinten an und bereut die damalige Entscheidung bis heute nicht. Denn, das ist so wie bei vielen seiner Refereekollegen – so hoch wie er derzeit pfeift, hätte er es fußballerisch wohl kaum geschafft.

Nach fünf Jahren kam der heute 28-Jährige im Land, exakt der Landesklasse, an. Dann ging alles noch schneller, denn es folgte zwei Jahre darauf (2015) die damalige Landesliga. Wichtig sei für ihn wie für viele andere die Teilnahme an den Kursen der Fördergruppe „Rennsteiger“ mit Peter Weise und Sandy Hoffmann gewesen, diktiert er dem Verfasser ins Notizbuch.

Wieder nur 24 Monate später (2017) der Aufstieg in die Oberliga. „Wenn man sich diese Spielklasse anschaut, dann gibt es nicht mehr so viele, die hier pfeifen“, sagt er mit dem Blick auf seine nun schon sechsjährige Oberligazugehörigkeit. Er habe, fügt er hinzu, am letzten Wochenende mit dem Harzderby Einheit Wernigerode gegen Germania Halberstadt schon sein 50. Oberligaspiel geleitet.

Und mit diesen Starken pfeift man 5. deutsche Liga, wobei Richard Lorenz die uns wie seine Kollegen, die wir porträtiert haben, selbst nennen „muss“:

„Ich bin ein sehr ruhiger Mensch und es muss schon sehr viel passieren, bis mich jemand da heraus bringt. Außerdem versuche ich mit körperlicher Fitness zu überzeugen. Meine Regelsicherheit kann ich ebenso einbringen wie eine gewisse Menschenkenntnis.“

Mit diesen Eigenschaften fällt es Lorenz nicht schwer, Begegnungen zu pfeifen. Nur einmal, da war er noch im Kreis aktiv und sehr jung, musste er eine Partie abbrechen, weil Zuschauer auf den Platz gerannt waren. Für ihn mit gerade einmal 14 Jahren kein Grund, die Pfeife an den berühmten Nagel zu hängen. „Ich bin dran geblieben“, betont er und es ist schon ein gewisser Stolz in seiner Aussage zu hören.

Wie sieht nun der Karriereausblick aus? Da lassen wir Richard Lorenz wieder selbst zu Wort kommen: „Ich würde zur Regionalliga nicht nein sagen, aber ich weiß, wie schwer das ist und wie die ‚Politik’ funktioniert. Mit jedem Jahr, das vergeht, sinkt die Chance, weiter nach oben zu steigen. Aber ich bin zufrieden so wie es ist und bin auch stolz darauf, dass ich bis hierher gekommen bin. Je älter man wird, desto mehr verschiebt sich die Priorität, zumal ich ja auch in Vollzeit arbeite.“ Und die sieht so aus:

Nach dem erfolgreichen Referendariat ist Richard Lorenz seit Februar 2021 einer von 26 Lehrern am Seiler-Gymnasium in Schlotheim. Von seinem Wohnort Mühlhausen bis zur Arbeitsstelle sind es nur knappe 20 Kilometer, die er in etwas mehr als 20 Minuten zurücklegt. Als Lehrer für Deutsch und Geschichte ist er, das gibt schon das Fach Deutsch mit relativ vielen Stunden her, natürlich Klassenleiter. Die Arbeit mit seiner Achten macht ihm viel Spaß.

Dass die Kolleginnen und Kollegen nicht so viel von seiner zeitlich intensiven ehrenamtlichen Tätigkeit als Schiedsrichter wissen und erstaunt allein vom Umfang der Tätigkeit sind, wenn er mal – auf Nachfrage – etwas erzählt, stört ihn nicht weiter. Die relativ kleine Bildungseinrichtung mit ca. 300 Lernenden, die zudem noch dörflich geprägt ist, gefällt Lorenz sehr gut. Wenn mal ein Lehrgang freitags beginnt, ist die Schule schon großzügig, aber ansonsten, so unser Gesprächspartner, erwartet die Leitung, dass man das Hobby hinten anstellt.

Mit dem Pfeifen in der Oberliga ist es nicht getan. Richard ist im Kreis-Fußballausschuss (KFA) Eichsfeld-Unstrut-Hainich „unter“ Armin Stollberg stellvertretender Kreis-Schiedsrichterobmann. Es folgt ein interessanter Satz von Lorenz: „Ich habe jahrelang von der Unterstützung profitiert. Nun sehe ich mich auch in der Pflicht, etwas zurückzugeben.“

Unbedingt erwähnt werden möchte Richard Lorenz den Heimatverein. Vom FSV 1996 Preußen Bad Langensalza und vor allem seinem Vorsitzenden Benno Harbauer, in Thüringen ein sehr bekannter, äußerst rühriger Ehrenamtler, bekomme er alle erdenklich Hilfe. Auch dafür sei er dankbar.

Viel Freizeit bleibt dem pfeifenden Lehrer nicht. Die nutzt er mit der Familie, zum Laufen oder auch zum Lesen. Und vielleicht findet sich auch mal Gelegenheit in einer Deutschstunde etwas Werbung für das Schiedsrichterwesen zu machen. Es muss ja nicht immer ein Brief sein … .

Hartmut Gerlach

Hier ist noch ein Link, der mit Richard Lorenz viel zu tun hat:

Link:

tfv-erfurt.de/nc/news/detail/news/geballte-schiedsrichterkompetenz-beim-derby-im-achtelfinale-des-koestritzer-thueringen-pokals/