Schiedsrichter 16. 11. 2023

Im Porträt Steven Greif: Gerechtigkeitssinn in Beruf und Ehrenamt

Als Corona keinen Fußball zuließ, haben wir im Zeitraum vom 09.12.20 bis zum 17.02.21 24 Schiedsrichter der Landesliste des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) vorgestellt. Nun wollen wir uns den höherklassig pfeifenden Unparteiischen  zuwenden und versuchen, jeden, der es wünscht, bis zum Saisonende zu porträtieren:

Heute: Steven Greif (XIII)

Als Polizeibeamter im Kriminal – und Ermittlungsdienst in Niedersachsen sieht Steven Greif durchaus Parallelen von Beruf und Ehrenamt als Schiedsrichter: „Ich sorge eigentlich auf beiden Gebieten für Gerechtigkeit“, zieht er einen Vergleich.

Die ersten Fußballschritte hat er bei Fortuna Remstädt im Alter von sechs Jahren gemacht. Dann wechselte er zum FSV Wacker 03 Gotha. Hier gab es ein Spiel in der D-Jugend, in dem der Schiedsrichter stark kritisiert wurde. „Da ist in mir die Vorstellung gewachsen, ob ich das nicht eigentlich auch selbst könnte. Ich fand’, dass dies eine interessante Aufgabe wäre.“

2008 als Schiedsrichter ausgebildet, macht das Amt dem heute 30-Jährigen von Beginn an Spaß. Er erinnert sich an die Verantwortlichen Roland Scholz, Mario Saal und an Lehrwart Sebastian Leinhos. Sie hätten eine sehr freundliche Art gehabt, bei der man sich gut abgeholt gefühlt habe, so der höherklassig pfeifender Unparteiischer, der in der Reihenfolge der Dreizehnte ist, den wir vorstellen. Steven Greif wörtlich: „Sie haben mich auch darin bestärkt, mein neues Hobby auszuprobieren.“

Aber zunächst hat er neben dem Schiedsen auch seit den C-Junioren unter Hagen Becker bis zu den A-Junioren weiter bei Wacker Gotha gespielt. „Er war ein guter Fußballer“, sagt Joachim Zeng, der die Szene in und um Gotha – und nicht nur die - natürlich bestens kennt.

Es sei eine schöne Zeit gewesen, meint Steven. Man habe zwar die Doppel – oder Dreifachbelastung mit Spiel am Vormittag, dann noch die Schiedsrichtertätigkeit am Samstag- und Sonntagnachmittag und das dreimalige Training gehabt, aber er meint auch, dass dies dem Fitnesszustand sehr gut getan habe. Wichtig war für ihn als Referee die Nähe zum Fußball. Er wusste damit selbst, wie Spieler und Trainer reagieren und wie Abläufe sind,

Viele Menschen haben ihn in den verschiedenen Spielklassen und Abschnitten begleitet, unterstützt und an ihn geglaubt. Da will Steven Greif niemanden nennen, aus „Angst“, vielleicht jemanden zu vergessen. Es sind immer unterschiedliche Personen gewesen. „Aber es kommt auch darauf an, dass ein Schiedsrichter durch seine Art Unterstützer für sich gewinnt, um noch ein Stück weiter nach vorn zu kommen“, weist er auf einen anderen Aspekt hin. Er ergänzt: „Ich hatte ganz viele charakterlich tolle Menschen an meiner Seite, die mich geprägt haben. Von ihnen konnte ich nicht nur als Schiedsrichter, sondern auch als Persönlichkeit lernen.“

Anfangs ging es auf der Karriereleiter des Steven Greif in Jahresschritten hinauf. Das empfindet er heute als durchaus gut, zumal er noch sehr jung war. Mit 18 leitete er schon Partien in der B-Junioren Bundesliga. Da war er bereits Unparteisicher auf Landesebene. Nach drei Jahren Ober- und Regionalliga pfiff er ebenfalls drei Jahre in der 3. Liga. Es folgte dann die Spezialisierung als Assistent in der 2. Bundesliga. Gemeinsam mit Schiedsrichter Florian Lechner und Julian Martenstein bildet er in der Regel ein festes Kollektiv für die 2. und 3. Liga.

Angesprochen auf seine Stärken, antwortet Steven Greif: „Ich habe ein gewisse Ruhe und Gelassenheit. Dadurch kann ich auch in aufgeheizten Situationen bei mir bleiben und klar orientiert sein. Ich bin Schiedsrichter und Polizist und kann den Gerechtigkeitssinn nicht ablegen. Es ist sicher ein Antrieb, dafür zu sorgen, dass es so gerecht wie möglich zugeht. Ich versuche auch, nicht irgendwie anders zu sein, sondern ich gebe mich auf dem Spielfeld so, wie ich bin. Das könnte man auch als Authentizität bezeichnen.“

Er genießt es, in vollen Stadien tollen Fußball auf diesem Niveau zu erleben. Aber natürlich setzt er sich das Ziel, in der Eliteliga „zu winken“. „Wenn man sich nicht vornimmt. dorthin zu kommen, würde man wohl lügen, Ob das möglich ist, muss man sehen“,  nennt Greif ganz ehrlich sein sportliches Ziel.

Dass der Aufwand gerade in der 2. Bundesliga mit  der Anreise einen Tag vor einem Spiel groß ist, steht außer Frage. Steven Greif ist froh, dass er im Beruf Gleitzeit hat. Aber er arbeitet ganz normal in Vollzeit. „Doch es ist, wenn man auch die privaten Belange unter einen Hut bringen will, eine Herausforderung. Aber ich bin absolut glücklich und zufrieden, wie es ist und möchte daran nichts ändern“, will er die Kilometer auf der Autobahn oder die Zeit im Hotel nicht zu hoch „hängen“.

Für Hobbys bleibt nicht so viel Zeit. Er verbringt die verbleibenden Stunden mit der Familie und der Verlobten.

Auf seine Leistungen ist man in seiner Heimat stolz, auch, weil der Name der Stadt in die Republik hinaus getragen wird. So erhielt er im März 2023 den Ehrenpreis des Landrates von Gotha. Dazu haben wir unter diesem Link am 29.03.23 einen Beitrag verfasst:

tfv-erfurt.de/nc/news/detail/news/schiedsrichter-steven-greif-erhielt-ehrenpreis-des-landrates-von-gotha-2022/

Und als er die erste Saison in der 3. Liga anging, da hat ihn der Verbandspressesprecher am 03.08.2020 interviewt. Auch diesen Artikel findet man auf der Internetseite des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) unter diesem Link:

tfv-erfurt.de/nc/news/detail/news/im-interview-steven-greif-vor-seiner-ersten-drittliga-saison-als-schiedsrichter/

Hartmut Gerlach