Schiedsrichter 19. 07. 2021

Regionalliga-Schiedsrichterin Linda Thieme beendet sportliches Kapitel in Thüringen

Mit Nora Dieckmann und Anne-Kathrin Steudemann (beide 2. Bundesliga) sowie Judith Köttig, Monique Panetta und Alessa Richter (Regionalliga) sind aus dem Thüringer Fußball-Verband (TFV) in der Saison 2021/22 fünf junge Frauen in überregionalen Spielklassen als Schiedsrichterinnen aktiv. Einen Namen sucht man auf der Einstufungsliste allerdings vergeblich - den von Linda Thieme.

Die meisten wissen es sicherlich schon. Und allen, die Linda gerne weiter auf den Thüringer Sportplätzen gesehen hätten, sei gesagt, dass es die Unparteiische aus Knau der Liebe wegen nach Oberösterreich zieht. Dort will die Gymnasiallehrerin für Ethik, Latein und Sport ebenso wie in unserem Bundesland, in dem sie nach dem Studium in Jena gerade ihr Referendariat an einem Gymnasium in Mühlhausen erfolgreich abgeschlossen hat, sowohl im Beruf als auch im Hobby weiter tätig sein. „Ich werde versuchen, immer mal wieder meine Heimat zu besuchen, um die Leute, die mir am Herzen liegen, zu sehen“, sagt sie. Aber sie freue sich auch auf die neuen Herausforderungen und das neue Kapitel, das sie aufschlagen werde, erklärt sie.

Vor mehr als zwölf Jahren, im März 2009, hat sie die Schiedsrichterprüfung abgelegt. Zunächst spielte sie in der Schule, in der es eine Mannschaft gab, Fußball. Als diese Zeit zu Ende ging, regte Andreas Goretzki an, dass die interessierten Spielerinnen doch dem TSV Ranis beitreten könnten. Auch der Anstoß für Linda Thieme, es im Schiedsrichterwesen zu versuchen, kam von Goretzki, damals ihr Lehrer. Ein Jahr lang tat Linda beides - sie spielte und pfiff. Diverse Verletzungen und die Auflösung der Frauenmannschaft führten sie zur Einsicht, dass es besser sei, sich ganz auf die Schiedsrichterei zu konzentrieren. Dabei hatte sie mit Schwimmen und Volleyball auch schon andere Sportarten ausprobiert.

Über ihre Motivation sagt sie: „Mir hat gefallen, dass man durch diese Tätigkeit viele Leute kennen lernt und versteht, mit ihnen umzugehen. Daraus sind zahlreiche sehr enge Freundschaften entstanden. Außerdem hat mich das Pfeifen auch in meiner Entwicklung positiv beeinflusst.“

„Uli Kühn, Ansetzer im Kreis-Fußballausschuss (KFA), hat mich oft mit Andreas Goretzki mitgeschickt. Er war so etwas wie ein Mentor für mich und von ihm habe ich viel gelernt“, erzählt sie und ergänzt, „Andreas hat mich sehr geprägt und gefördert. Ich verdanke ihm ein Stück weit meine Karriere. Er hat mit mir trainiert und mich beraten. Von ihm habe ich mein Handwerk als Schiedsrichterin gelernt. Andreas hat mich vom Kieselstein zum Rohdiamanten geformt.“

Dabei schätzt sich Linda Thieme selbst als Unparteiische ein, die sich alles hart erarbeiten musste und der nichts zugefallen sei. „Aber ich war ehrgeizig, wollte es und nahm Kritik an“, sagt sie.

Das führte dazu, dass sie nach Spielleitungen in der Kreisoberliga in die Regionalliga Frauen eingestuft wurde. Hier standen ihr vor allem Sandy Hoffmann, Peter Weise und Karl-Heinz Gläser oft unterstützend zu Seite. Hoffmann kennt Linda gut und kennzeichnet sie so: „Linda ist eine sehr gute Schiedsrichterin, die eine wirkliche Bereicherung für unsere Landesliste war. Sie hat unwahrscheinlich viel Training und Schweiß investiert, um die entsprechenden Leistungstests erfolgreich zu absolvieren.

Linda war eine feste Größe in der Frauenregionalliga und als Assistentin in der 2. Frauen-Bundesliga. Sie erhielt dort auch meist Top Kritiken. Dabei halfen ihr Spielverständnis und ihr Gefühl für die Situation. Regelsicher und engagiert zeigte sie sich nicht nur in ihrer Zeit als Mitglied der Rennsteiger, sondern auch bei überregionalen Lehrgängen und Turnieren konnte sie überzeugen.“

Sich selbst beschreibt Thieme, die 2020 als Ehrenamtsbeauftragte in der KFA Jena-Saale-Orla gewählt wurde, so: „Ich gehe immer konzentriert und fokussiert und ohne Voreingenommenheit an eine Spielleitung heran. Aber ich nehme auch Kritik an und sehe Fehler ein. Dabei trete ich humorvoll auch und wirke durch meine Persönlichkeit überzeugend. Außerdem bin ich sehr umgänglich und ein Teamplayer. Als Schiedsrichterin kann ich die Aufgaben gut verteilen und als Assistentin versuche ich, die Unparteiische so gut wie möglich zu unterstützen.“

Dabei legt sie sehr viel Wert darauf, dass ihr das Ehrenamt Spaß und Freude bereitet und dass es auch in den Schiedsrichterkollektiven menschlich „passt“. Das sei so im Team von Nora Dieckmann, mit der sie oft zu den Zweitbundesligaspielen unterwegs war, gewesen.

Bei ihren Visiten in Österreich habe sie gespürt, dass Fußball unabhängig von Land oder Dialekt verbinde. Gern erinnert sie sich an ein Länderspiel der Mädchen zwischen Deutschland und Dänemark in Berlin, als sie an der Linie stand. „Aber für mich ist jedes Spiel ein Höhepunkt, denn es immer etwas Besonderes“, schätzt sie jede Partie, die sie, wie sie selbst sagt, mit Respekt leitet. Sie empfindet es auch als angenehm, hinterher noch mit Vereinsvertretern zusammensitzt.

Nicht nur Sandy Hoffmann, Mitglied im Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA), wünscht der ausscheidenden Thüringer Schiedsrichterin alles Gute für eine neue Zeit in einem neuen Umfeld. Seine Prognose lautet: „Ich bin mir sicher, dass Linda ihren Weg weiter erfolgreich gehen wird.“

Fotos:

Linda Thieme wird durch die stellvertretende KFA-Vorsitzende Jena-Saale-Orla, Janine Geiler, und ihren Mann Michael vor dem Landsespokalfinale der Frauen am 27.06.21 zwischen dem SV Lok Meiningen und dem FC Carl Zeiss Jena II (1:3) herzlich verabschiedet.

Linda Therme mit ihren Assistentinnen des Pokalendspiels Judith Köttig (l.) und Vanessa Letitia Neumann.

Hartmut Gerlach