Sportgericht 14. 09. 2021

Schuldhafter Spielabbruch in Freundschaftsspiel mit Geldstrafe geahndet

Das Sportgericht des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) hat wegen der Vorkommnisse im
Freundschaftsspiel am 18.07.2021 zwischen 2. Mannschaft des SC Rosdorf e.V. und der Mannschaft des Dynamo Bischhagen e.V., „Schuldhaftes  Herbeiführen eines Spielabbruches durch den Verein Dynamo Bischhagen e.V.“ im  schriftlichen Einzelrichterverfahren nach § 21 der Rechts- und Verfahrensordnung (RuVO) des TFV so entschieden:

Das obig bezeichnete Spiel wird für die Mannschaft des Dynamo Bischhagen e.V. mit 0:2 Toren als verloren und mit 2:0 Toren für den SC Rosdorf e.V. als gewonnen gewertet.

Der Verein Dynamo Bischhagen e.V. wird wegen eines schuldhaften  Herbeiführens eines Spielabbruchs gemäß § 43 Abs. 7  und in Verbindung mit § 40 Abs. 1 b) der RuVO des TFV  sowie § 15 Ziffer 14 Abs. 1 der Spielordnung des TFV zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Kosten des Verfahrens trägt der Verein Dynamo Bischhagen

Zunächst kurz der Sachverhalt:

Nach einem Foulspiel durch einen Spieler des SC Rosdorf an einem Spieler von Dynamo  Bischhagen in der 34. Spielminute wurde dieser durch den Schiedsrichter verwarnt. Die Gastmannschaft forderte daraufhin den Feldverweis des Spielers wegen einer Tätlichkeit, die der Schiedsrichter nicht als gerechtfertigt sah. Auch im Vorfeld wurde durch die Gastmannschaft gegenüber dem Schiedsrichter bereits mehrfach eine persönliche Strafe nach Foulspielen gefordert. Da der Schiedsrichter der Forderung in der 34. Spielminute nicht nachkam, verließ die Mannschaft von Dynamo Bischhagen den Platz.

In der Urteilsbegründung hießt es unter anderem:

„Gemäß § 15 Ziffer 13 der Spielordnung des TFV ist der Schiedsrichter berechtigt in folgenden Fällen das Spiel nicht zu beginnen bzw. abzubrechen:
• Dunkelheit und Witterung
• Unbespielbarkeit des Platzes
• Auslösung der Smogwarnstufe
• Widersetzlichkeit der Spieler
• Nichtbefolgen von Weisungen
• Störungen bei der Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit
• Tätlicher Angriff auf das Schiedsrichterkollektiv

Das Spiel wurde nicht vom Schiedsrichter abgebrochen. Auch eine entsprechende Bitte
wurde durch den Gastverein gegenüber dem Schiedsrichter nicht geäußert. Gemäß § 15 Ziffer 14 Abs. 1 SpO ist eine Mannschaft ausdrücklich nicht zum Spielabbruch berechtigt. Dies ist jedoch durch das Verlassen der Mannschaft des Vereins Dynamo Bischhagen erfolgt. Dieser hat damit zu verstehen gegeben, das Spiel nicht weiter verfolgen
zu wollen. Unabhängig von den vorliegend nicht nachweisbaren Vorfällen hätte die Mannschaft eine andere Lösung zur ordnungsgemäßen Beendigung des Spieles suchen müssen.

Die Rechtsnorm des § 43 Abs. 7 RuVO sieht hierfür neben einer eventuellen Spielwertung den Abzug von bis zu sechs Punkten und/oder eine Geldstrafe bis zu 500,00 € vor. Lediglich aufgrund dessen, dass es sich vorliegend lediglich um ein Freundschaftsspiel handelte und der Verein Dynamo Bischhagen bislang nicht derart in Erscheinung getreten ist, sieht das Sportgericht von einem Punktabzug ab und hält die verhängte Geldstrafe für
tat- und schuldangemessen.

Hartmut Gerlach