Ehrenamt 23. 03. 2020

Walter Röbelt - 35 Jahre den Spielbetrieb im Nachwuchs gemanagt

In der Spielordnung des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) sind im § 2 Ziffer 3 und 4 die Aufgaben eines Staffelleiters exakt festgelegt. Und das sind nicht wenige:

  • regelmäßige Auswertung der Spielberichtsbögen
  • Bearbeitung der Berichte und Informationen der Schiedsrichter und Beobachter sowie von Hinweisen und Eingaben der Vereine
  • Nachweisführung über eingesetzte Spieler, Feldverweise sowie Erarbeitung statistischer Übersichten
  • Kontrolle der Einhaltung des Spielplans, Spielordnung und der Technischen Richtlinien
  • Spielverlegungen  und Neuansetzungen
  • Strafanordnungen.

Vielleicht würde man in der freien Wirtschaft dieses umgangreiche Aufgabengebiet mit dem Begriff Manager umschreiben. Wobei es einen kleinen, aber feinen Unterschied gibt: Ein Staffelleiter auf der Landes- und Kreisebene ist ein Ehrenamtler!

Wenn man wie Walter Röbelt diesen freiwilligen Job 35 Jahre lang gemacht hat, muss man nicht begründen, warum man, so wie mancher Vorgänger, nun mit fast 70 Jahren aufhören möchte. Schon vor einem Jahr hatte er seine Absicht deutlich gemacht, die Tätigkeit als Staffelleiter der Verbandsliga C-Junioren zu beenden. Damals konnte ihn Patrick Marr, der Vorsitzende der Nachwuchsspielkommission, noch einmal „überzeugen“ weiter zu machen. Allein das ist schon Lob genug für Röbelt, der wie bei vielen Funktionären in Verbänden, Kreisen und Vereinen eine Lücke hinterlässt. Denn wenn jemand seine Aufgabe nicht gut erfüllt, ist man froh, wenn er diese aufgibt … .

Angefangen hat für den Weidaer alles 1985 nach einem Gespräch mit Heinz Goldhahn. Der war Schiedsrichter, wohnte in Weida, pfiff für Wismut Aue und war selbst Staffelleiter. Aber auch Gerhard Rössel hatte seine Hände mit im Spiel, als es darum ging, einen Mann für den Jugendspielbetrieb zu gewinnen. Rössel, damals Direktor der DTSB-Sportschule in Jena und Vorsitzender der Nachwuchskommission im Bezirksfachausschuss (BFA) Gera, war sich sicher, dass Walter Röbelt die Aufgabe erfüllen würde. Immerhin war der sieben Jahre lang Übungsleiter für Kinder und Knaben (heute E- und D-Junioren) bei Fortschritt Weida. Und so wurde in einer Beratung der Bezirksnachwuchskommission in Bodelwitz bei Pößneck der Staffelleiter Walter Röbelt geboren.

Zunächst übernahm der gelernte Werkzeugmacher, der 25 Jahre in diesem Beruf arbeitete, die D-Junioren im Bezirk. Als die Wende auch die Fußballlandschaft veränderte und der Thüringer Fußball-Verband (TFV) gegründet wurde, gab es neue Betätigungsfelder für Röbelt. Er wurde Staffelleiter der A- und B-Junioren in der Landesklasse. Viele Jahre sorgte er für die Durchführung der Punktspiele in diesen Altersklassen. Und seit der Installierung der C-Junioren 2012/13 zeichnet der Mann, der 8. September 70 wird, für diese Alters- und Leistungsklasse verantwortlich.

In seiner Eigenschaft als Trainer und später Nachwuchsleiter im  Rudolstädter Heimatverein hatte der Verfasser früher ab und an mit dem Staffelleiter aus Weida, der durch seine ruhige und besonnene Art besticht, zu tun. Walter Röbelt ließ sich jedoch nicht die „Butter vom Brot nehmen“. Rückblickend sagt er: „Ich habe die Spiele immer ‚durchbekommen’ und das oft mit durchaus harter Hand. Ich musste mir ab und an auch von Trainern anhören, dass ich im Gegensatz zu anderen ein strenger Staffelleiter sei, wenn es um Spielabsetzungen ging. Aber ich habe mich einfach immer an die Regeln der Spielordnung gehalten. In der kenne ich mich sehr gut aus und bekomme deshalb auch immer wieder Anfragen.“, schätzt er seine eigene Tätigkeit ein.

Wenn man dreieinhalb Jahrzehnte im Fußball gewirkt hat, braucht man natürlich ein intaktes familiäres Umfeld. Das hat Walter Röbelt in Ehefrau Astrid, mit der er seit 40 Jahren glücklich verheiratet ist. Und auch die Familie des Sohnes mit der dreijährigen Enkeltochter macht ihm viel Freude.

Frau Röbelt hatte auch nichts dagegen, als im damaligen KFA Greiz ein Mann für die Öffentlichkeitsarbeit gesucht wurde und ihr Walter diesen Part für 14 Jahre, von 1997 bis 2012, auch noch übernahm. Dass er dies zur Zufriedenheit seiner Mitstreiter tat, zeigt die Tatsache, dass er Ehrenmitglied des KFA Ostthüringen ist.

Nun ist das Ende des Ehrenamtes in Sicht. Dass sich dies auch im Fußball durch Corona so schwierig gestalten würde, hat Walter Röbelt so wie wir alle nicht im Entferntesten geahnt. Gerade für die Gestaltung des Spielbetriebs nach der Überwindung der Ausnahmesituation ist ein Mann von der Erfahrung Walter Röbelts natürlich noch einmal gefragt.

Hartmut Gerlach